Als ich mir 2014 eine Wohnung in der Bonner Altstadt gesucht habe, war mir nicht bewusst, dass ich damit auch das zweifelhafte Vergnügen habe, direkt an die Strecke des Rosenmontagszugs zu ziehen. Im letzten Jahr habe ich versucht, das laute und bunte Treiben vor meiner Haustür möglichst zu ignorieren. Aber diesmal habe ich meine Kamera gepackt und mich ins Getümmel gestürzt.
Da ich in Aachen aufgewachsen bin, kenne ich den Karneval schon seit meiner Kindheit und habe früher immer gerne mitgefeiert, mich verkleidet und mir die Rosenmontagszüge angesehen. Seit meiner Zeit im Ruhrgebiet hat die Freude am Karneval allerdings deutlich nachgelassen. Ich habe schon seit Jahren nicht mehr richtig mitgefeiert und meide auch die Partys und Karnevalssitzungen, schon alleine wegen der gewöhnungsbedürftigen Musik. Dieses Jahr wollte ich aber noch einmal den Selbstversuch wagen und mir zumindest den Rosenmontagszug ansehen. Schließlich steht der rheinische Karneval seit 2015 auf der Liste des immateriellen Kulturerbes. Und wenn man schon in einer Karnevalshochburg wohnt, dann sollte man den Spaß wohl auch mal mitgemacht haben.
Gute Stimmung trotz Sturmwarnung
Kurz vorher war es allerdings noch gar nicht sicher, ob die Rosenmontagszüge im Rheinland wegen der Sturmwarnung überhaupt wie geplant stattfinden können. Doch Bonn blieb von einer Absage verschont und der Zug startete wie geplant um 12 Uhr an der Thomas-Mann-Straße. Pünktlich standen dann auch schon die ersten verkleideten Zuschauer auf den Bürgersteigen unter meinem Fenster und erwarteten das große Spektakel. Bis der Zug sich seinen Weg in die Altstadt gebahnt hatte, verging allerdings noch etwas Zeit. Richtig los ging es hier erst gegen Viertel vor Eins. Und das Wetter blieb trotz aller schlechten Voraussagen erstaunlich gut. Zwischendurch regnete es mal ein bisschen, aber es war angenehm warm und selbst der angekündigte Wind war dann gar nicht so stark.
Kamelle für alle
Natürlich ist der Rosenmontagszug wegen der Kamelle besonders bei Kindern beliebt. Dementsprechend waren heute viele Familien im Publikum. Trotz des wechselhaften Wetters waren die Straßen gut gefüllt und die Stimmung war fröhlich. Insgesamt sind dieses Jahr über 4500 Teilnehmer im Zug mitgelaufen bzw. auf den 73 Gesellschaftswagen mitgefahren. Wie viele Zuschauer es gab, kann ich nicht sagen, die Altstadt war jedenfalls gut besucht.
Um 16 Uhr fand der Zug in der Altstadt dann sein Ende. Die Menschen auf den Straßen hatten aber natürlich trotzdem noch ihren Spaß und blieben noch eine Weile, um ihre Beute zu begutachten, Bier zu trinken und sich zu unterhalten. Und während es die Karnevalisten dann langsam in die umliegenden Kneipen zieht und die Dämmerung einsetzt, kommt dann doch noch ein ganz besonderer Wagen: Die Stadtwerke, die die Überreste des Rosenmontagszugs mit ihren Reinigungsfahrzeugen beseitigt.
Karneval am Veilchendienstag
Wer noch nicht genug Karneval hatte, der kann morgen zum Beispiel noch die Karnevalszüge in Bonn-Lengsdorf, Alfter oder Rheinbach besuchen. Außerdem gibt es noch diverse Abschlussveranstaltungen, zum Beispiel das „Federnrupfen des Bonner Prinzenpaares“ im Haus der Springmaus.
Sarah Larissa Heuser lebt seit 2014 in Bonn und genießt es, ihren neuen Wohnort zu erkunden. Seit 2009 arbeitet sie als freiberufliche Fotografin und beschäftigt sich hauptsächlich mitPorträtfotografie.
In Berlin hat sie außerdem als Bildredakteurin gearbeitet und sich viel mit Themen aus der Gastronomie und Kulturszene beschäftigt. Sie liebt traurige Filme, laute Konzerte und gutes Essen. Auf ihrer Internetseite www.tonlosekunst.de kann man sich ihre Arbeiten ansehen.
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